Umgebettet – Mohrchens allerallerletzte Reise

Wer mich wirklich kennt, oder diesen Blog eine Weile aufmerksam verfolgt, der weiß, oder kann sich zumindest vorstellen, dass ich für meine Jungs einiges auf die Beine stelle. Ich tue Dinge, die manchen Menschen absurd oder verrückt erscheinen. Tatsächlich störe ich mich viel zu oft daran, was andere denken. Leider.

Wenn es um so Begebenheiten geht wie die, von der ich euch heute erzählen möchte – genau genommen sind es sogar zwei –  ist mir gottlob egal, wie andere das sehen. Ich glaube, nur dort, wo echte Gefühle im Spiel sind, werden auch ungewöhnliche Dinge getan.

Der Umzug

Als ich Ende 2001 aus Mecklenburg ins Rheinland zog, kamen meine Jungs – Elvis und Mohrchen – selbstverständlich mit. Da die Entfernung doch relativ groß ist, bekamen die beiden ein Beruhigungsmittel, um die lange Zeit in der  Transportbox etwas entspannter zu gestalten.

Auch allerhand Knabber-Getier, sowie einige Aquarien zogen mit uns um. Wir mieteten hierfür eigens ein Fahrzeug mit beheiztem Laderaum, damit die winterliche Tour nicht zum Horrortrip für Fische, Nager und Hasenartige wird.  Einzig meine Schäferhündin “Anka” verblieb zunächst bei meinem Opa in MeckPomm, da sich die Suche nach einer geeigneten Wohnung aus der Ferne sehr schwierig gestaltete. Leider lebte Anka nicht mehr lang genug, um sie noch nachholen zu können.

Zurück in die Heimat

Als Mohrchen knapp fünf Jahre später starb, lebten wir in der Eifel auf einem stillgelegten Bauernhof. Wir wußte, dass wir hier nicht mehr lange wohnen würden, weshalb ich Mohrchen keinesfalls hier begraben wollte. Aber was tun? Nein, kremieren ist für mich keine Option. Ich habe leider ein total gestörtes Verhältnis zu dieser Art der Bestattung.

Meine Großeltern und meine Mutter lebten damals noch in Mecklenburg, in eigenem Haus, mit eigenem Grundstück. Aus Mecklenburg war Mohrchen gekommen, nach Mecklenburg sollte er dann auch wieder gehen. Hier kann er – so dachte ich damals – seine letzte Ruhe finden. Ich würde ihn zwar nur selten besuchen können, dafür würde man mit seinem Grab vernünftig umgehen. Das war es mir wert.

Die Entfernung von 720 km und die sommerliche Wärme machten es mir unmöglich, ihn sofort dort hinzubringen. Nachdem wir uns von ihm verabschiedet hatten, packten wir ihn sehr sorgfältig ein und brachten ihn in einem alten Gefrierschrank in der Garage unter. Dort blieb er, bis der Herbst kam und ich bereit war, die lange Heimreise mit ihm anzutreten.

Ich fuhr die Strecke selbst und wurde “nur” von meinen beiden Kindern begleitet. Herrchen blieb bei den anderen Jungs. In Mecklenburg angekommen begruben wir unser Mohrmännchen in dem Garten, in dem ich als Kind so viel Zeit verbracht hatte, direkt neben meiner Schäferhündin Anka.

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Hier hatte er nun endlich seine letzte Ruhestätte gefunden. So dachte ich damals zumindest. Zwölf Jahre später sollte sich zeigen, dass dies noch nicht Mohrchens letzte Reise war.

Kopfzerbrechen

Da ich seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr zu meiner Familie habe, erfuhr ich auf Umwegen, dass das Grundstück verkauft werden soll. Dass mein Mohrchen nun als einziger meiner Jungs dort allein liegen bleiben sollte, machte mir schwer zu schaffen. Der Gedanke, der Käufer würde dort eventuell Veränderungen vornehmen und meinen Kater womöglich bei Bauarbeiten ausbuddeln, ließ mir keine Ruhe. Mein Interesse daran, die sterblichen Überreste meines Katers zu mir ins Rheinland zu holen, ließ die familiäre Fehde wieder aufleben. Man verweigerte mir zunächst den Zugang zu Mohrchens Grab und damit auch dessen Umbettung – wie Menschen halt so sind. Das machte die ganze Sache nicht einfacher und so beschäftigte mich die Sorge um Mohrchen dann doch einige Monate.

In der Zwischenzeit suchte ich im Internet nach Anhaltspunkten danach, wie viel nach der langen Liegezeit von meinem Pratzenbärchen wohl noch übrig sei. Leider fand ich hierzu nicht wirklich eine verlässliche Aussage – ist vermutlich auch schwer möglich – aber ich merkte, dass ich nicht allein mit meinem Anliegen war. Es gibt durchaus mehr Menschen als nur mich, denen die Überreste ihres verstorbenen Tieres nicht egal sind.

Umbettung

Am 02. September 2018 war es dann endlich so weit. Mein Bruder erklärte sich bereit, Mohrchens Grab zu öffnen und in Augenschein zu nehmen, was nach 12 langen Jahren von ihm geblieben war. Ich war gedanklich ganz nah bei ihm. Als sein Grab geöffnet war, bekam ich ein Foto via WhatsApp. Ich konnte erkennen, dass mein Mohrchen noch nicht völlig verschwunden war, wie viel genau von ihm übrig geblieben war, konnte ich dem Foto leider nicht entnehmen. Nachdem alle Knochen – so gut als möglich – aus dem Erdreich heraus sortiert waren, wurden Mohrchens sterblichen Überreste sorgfältig verpackt und machten sich am 04. September 2018 auf die Reise zu mir. Zwei Tage später – am 06. September 2018 – kam mein bislang wertvollstes Paket SN00340434220017812742 bei mir an.
Zu meinem Erstaunen war trotz der langen Liegezeit ein Großteil seiner knöchernen Überreste erhalten geblieben. Sogar Zähnchen waren noch dabei. Vermutlich wird das nicht jeder nachempfinden können, aber es fühlte sich an, als wäre er zu mir zurückgekommen. So merkwürdig es klingen mag, aber meine Jungs waren wieder vollzählig.

Letzte Ruhestätte

Ursprünglich hatte ich überlegt, Mohrchen zu seinem alten Kumpel Elvis zu legen. Nach all dem Erzählten entschied ich mich dann aber dagegen, meinen Mohrmann ein weiteres Mal zu vergraben und kaufte stattdessen eine Tierurne. Die Öffnung der Urne war groß genug – darauf hatten wir beim Kauf besonders geachtet – , um Mohrchens sterbliche Überreste – in ein Leinentuch gewickelt – in die Urne hineinlegen zu können.

Mohrchens letzte Ruhestaette

Wenn man wie ich, seine Tiere  weit über deren Tod hinaus heiß und innig liebt, und diese Liebe auch lebt, stößt man nicht immer auf Verständnis. Vielleicht kann ich mit diesem Beitrag dem ein oder anderen Mut machen.

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