Eine selbstgebaute Kratztonne für Katzen

Im vergangenen Jahr habe ich die Jungs endlich mit einer selbstgebauten Kratztonne beglückt.   Geplant war das Ganze schon eine halbe Ewigkeit, aber irgendwie wurde die Umsetzung immer wieder zurückgestellt. So wie auch dieser Beitrag dazu. Da man das Rad nicht immer wieder neu erfinden muss, habe ich zunächst mal im Web nach brauchbaren und für mich umsetzbaren Inspirationen gesucht.

Es dauerte auch gar nicht mal so lange, bis ich fündig wurde. Als Basis für die Fertigung unserer Kratztonne nutzte ich die Anleitung auf Katzenblog.de. Da in dem verlinkten Blogartikel jede Menge detaillierte Informationen zu finden sind, werde ich in meinem Beitrag auch nicht alles wiederholen. Ich denke, es reicht, wenn ich auf die Dinge eingehe, die ich anders gelöst habe, als dort beschrieben.

Die wesentlichen Unterschiede sind die Höhe unserer Kratztonne, die fehlende Einstiegsöffnung oben und die fehlenden Öffnungen in den unteren Böden.

Aber auch bei der Herstellung der Tonne bin ich an ein paar Dinge anders herangegangen. Eigentlich sollte diese Tonne auch nur eine Versuchstonne werden. Zum einen um zu sehen, wie mir die Umsetzung gelingt und zum anderen um die Begeisterung der Jungs zu testen. Da den Jungs die Tonne mindestens so gut gefällt wie mir, soll es noch eine zweite Tonne geben. Diesmal allerdings um einiges höher und mit Schlupflöchern im Inneren der Tonne. Mal sehen, wie viele Jahre es diesmal dauert, bis ich mich dran geben.

Böden ausschneiden

Hier kommen wir bereits zum ersten Unterschied zur verlinkten Anleitung. Ich bin schon recht fit im Umgang mit  der Stichsäge, aber mehrere Böden exakt mit einer Stichsäge auszusägen, ist schon etwas schwierig. Es soll hierfür sogenannte Sägezirkel geben, aber selbst damit bezweifle ich, dass die Böden wirklich deckungsgleich werden. Es droht also einiges an Nachbearbeitung.

Da ich in Besitz einer kleinen Oberfräse bin, habe ich mich entschieden, meine Böden zu fräsen, statt zu sägen. Hierzu habe ich den Parallelanschlag – den so eine Fräse gewöhnlich im Gepäck hat – als Zirkel umfunktioniert. Einem der Fotos kann man ansatzweise entnehmen, wie ich das gemacht habe. Mittig ein Loch in die Platte gebohrt und mit einem starken Nagel den „Fräszirkel“ fixiert, konnte ich stressfrei im Kreis fräsen.

Auf diese Weise habe ich in kürzester Zeit absolut makellose kreisrunde Platten gefräst, an denen keinerlei Nachbearbeitung notwendig war. Ein weiterer Unterschied ist, ich verwende für die Grundplatte keine Küchenarbeitsplatte. Ich habe stattdessen ein Stück Spanplatte mehr gekauft und schraube nach dem Fräsen zwei Spanplatten aufeinander. Auf diese Weise spare ich Geld und die Bearbeitung der Spanplatte ist auch noch etwas einfacher, als die der dicken Küchenarbeitsplatte. Stärke und Gewicht meiner Grundplatte ist dabei in etwa identisch mit einer Arbeitsplatte.

Grundgestell fertigstellen

Sind die Grundplatten fertiggestellt, werden die drei Kanthölzer auf Länge gesägt und auf entsprechender Höhe vorgebohrt. Wie hoch man die einzelnen Höhlen macht, ist abhängig von den zukünftigen Nutzern. Ich habe mich – glaube ich – nicht exakt an die Maße der Anleitung gehalten. Da ich handwerklich einigermaßen fit bin, ist das für mich kein großes Problem.

Für die Aussparungen zur Befestigung der Latten ist nun tatsächlich die Stichsäge zum Einsatz gekommen. Hier wäre ich bei Unterschied drei. Der obere Boden hat keine Aussparungen. Die Kanthölzer unserer Kratztonne enden unterhalb des oberen Bodens. Die obere Platte ist also auf die Kopfseiten der Kanthölzer geschraubt. Nachdem Kanthölzer und Böden miteinander verschraubt waren, war das Grundgestell für die Kratztonne bereits fertig. Die Nadelfilzeinlagen auf dem Foto liegen übrigens nur zur Probe auf dem Gestell. Ich hatte die ausgeschnittenen Böden als Schablone genommen um die Teppichplatten passgenau zuschneiden zu können.

Formen der HDF-Platte

Die HDF-Platte in Röhrenform zu bringen, ohne sie zu knicken schien mir vorab die kniffeligste Aufgabe. Der Tipp in der verlinkten Anleitung – die Platte vorab beidseitig heiß abzuduschen – war allerdings Gold wert. HDF-Platten sind übrigens diese Platten, die gern für Möbelrückwände genutzt werden. In dick und mit etwas niedrigerer Dichte nenne sie sich MDF-Platten. Zurück zur Dusche. Die Platte sollte schon gut abgeduscht werden, übertreiben sollte man es allerdings nicht, sonst weichen die Kanten der Platte sehr auf.

Im Anschluss wird die Platte sofort um das Grundgestell „gewickelt“ und mit Spanngurten festgezurrt. Man sollte darauf achten, dass Anfang und Ende der Platte auf einem Kantholz aufliegen und dass die Spanngurte auf Höhe der Böden gespannt werden. Damit die Enden sauber übereinander gepresst werden, habe ich dort eine Latte mit eingespannt. Ist die Oberfläche der Platte einigermaßen durchgetrocknet, kann man schon mal die Öffnungen für die Höhlen anzeichnen. Sobald die Platte dann richtig trocken ist, sägt man die angezeichneten Öffnungen mit einer Stichsäge aus.

Grundgerüst mit Teppich auskleiden

Bevor die HDF-Platte endgültig mit dem Grundgestell der Kratztonne verschraubt wird, sollte das Gestell mit Teppich verkleidet werden. Empfohlen wird in der Anleitung Nadelfilzteppich. Der Teppich, den ich hier im OBI bekam, hatte eine Rückseite, auf der doppelseitiges Klebeband leider nicht den nötigen Halt fand. Deshalb entschied ich mich, den Teppich mit Holzleim aufzukleben und an den Kanthölzern zusätzlich einen Tacker einzusetzen. Halbherzig beklebt, würde zumindest Murphy die Höhlen von innen vermutlich sehr schnell enttapezieren.  Ich kenne ja meine Schweine am Gang.

Damit die Tackernadeln nicht zur „Krallenfalle“ werden können, habe ich ausschließlich senkrecht und an den äußeren Kanten der Kanthölzer getackert. Klammern die zu weit hervorstehen, werden mit einem Hammer versenkt.  So besteht keine Gefahr, mit den Krallen darin hängenzubleiben.

Mit etwas schwarzem Edding bemalt fallen die Tackernadeln auch gar nicht mehr auf. Die verwendeten Klemmzwingen sind sehr hilfreich um den Teppich während der Trockenzeit an die Hölzer zu pressen. So kann sich nichts ablösen oder verrutschen. Ist, das erledigt kann die HDF-Platte mit dem Gestell verbunden werden. Zunächst kürzt man die Platte auf die passende Länge und spannt sie dann nochmals mit Spanngurten fest um das Grundgestell. Nun wird die HDF-Platte auf Höhe der Böden und am hinteren Kantholz festgeschraubt. Es kann hilfreich sein sich vorab auf Höhe der Böden dünne Linien anzuzeichnen.

Qualitätskontrolle

Alle Arbeitsschritte erfolgen natürlich unter der strengen Aufsicht des Beauftragten für Qualitäts- und Gütekontrolle. Selbstverständlich werden auch alle erworbenen Materialien zunächst auf ihre Eignung geprüft.

Ist die HDF-Platte befestigt, wird der restliche Innenbereich ausgekleidet. Auch hierfür habe ich statt Klebeband Holzleim benutzt. Durch das Auskleiden der Höhlen bekommen diese etwas richtig Kuscheliges. Die Arbeit lohnt sich.

Kratztonne mit Sisal-Teppich verkleiden

Beim äußeren Teppich haben wir etwas tiefer in die Tasche gegriffen und bei einem Ebay-Handler einen Sisal-Teppich für  55,90 Euro gekauft. Da ich in Besitz eines Kompressors mit Luftdrucktacker bin, habe ich den Teppich nicht geschraubt, sondern mit langen Nadeln getackert.

Auch beim Übergangsprofil haben wir uns für eine etwas wertigere Ausführung entschieden. Das Profil ist aus Alu und passte farblich einfach besser zu unserem Teppich. Erstanden haben wir es übrigens bei Bauhaus. Zur Befestigung werden in das hintere Kantholz einige Löcher gebohrt. Das Profil wird dann mit den dazugehörenden Kunststoffdübeln bestückt und mithilfe eines Gummihammers in die Bohrungen „geschlagen“.  Die Löcher sollten nicht zu weit sein, sonst sitzen die Dübel nicht stramm genug in den Bohrungen und es fehlt an Halt.

Kantenschutzprofile werten die Kratztonne auf

Den überschüssigen Streifen unseres Sisalteppichs habe ich genutzt, um die Innenkante der oberen Liegefläche damit auszukleiden. Das passte perfekt. Befestigt habe ich den Streifen wiederum mit Holzleim. Zusätzlichen Halt bekam das Ganze dann durch das Kantenschutzprofil. Hier haben wir uns für die 9-12 mm Variante entschieden.

Nach dem Ausschneiden des Sisalteppichs an den Öffnungen der Höhlen werden auch diese mit Kantenschutzprofil ausgestattet. Das gibt dem Ganzen einen echt perfekten Look.

Um den Luxus komplett zu machen habe ich schnell noch die Nähmaschine angeschmissen und drei runde Einlegekissen genäht. Gefüttert sind die Kissen aus Teddyplüsch mit doppelt genommenem Volumenvlies. Die Kratztonne wurde von allen drei Jungs gut und schnell angenommen und steht einer gekauften Kratztonne in nichts nach.

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5 Kommentare

  1. Christopher SeidelChristopher Seidel

    Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

    • AndreaAndrea Autor dieses Beitrags:

      Hallo, eine Schreinerwerkstatt habe ich leider nicht, ich bin leider nicht so vermögend, mir sowas leisten zu können. Das Werkzeug, das ich besitze, ist handelsübliches Werkzeug aus dem Baumarkt, welches mir übrigens auch niemand geschenkt hat. Solch eine Oberfräse bekommt man zwischen 50 und 70 Euro zu kaufen. Den Umgang damit habe ich mir selbst angeeignet, denn mein erlernter Beruf nennt sich „staatlich anerkannte Erzieherin“. Wer keine Oberfräse hat, nimmt halt eine Stichsäge. Mein Motto lautet: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. LG Andrea & Jungs

    • AndreaAndrea Autor dieses Beitrags:

      Hallo Betti,
      ich erinnere mich nicht mehr genau, wie lange ich an der Tonne gearbeitet habe. Allerdings macht es mir auch Spaß, für meine Jungs zu bauen und da hetze ich mich auch nicht. Hinzu frisst die Dokumentation für die Blogbeiträge Zeit, die jemand, der die Tonne einfach nur nachbauen möchte, nicht aufwenden muss. 3-4 Nachmittage, denke ich, werde ich an der Tonne gebastelt haben. Zu den Materialkosten kann ich nicht wirklich etwas sagen. Vor dem Hintergrund, dass in den letzten 2 Jahren tendenziell ohnehin alles teurer wird, wären die Kosten unserer Tonne auch kein wirklicher Anhaltspunkt.
      Liebe Grüße Andrea & Jungs

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