Rasmus, unser erster Norweger

Nachdem unser Mohrchen am 06. August 2006 seinen Weg über die Regenbogenbrücke angetreten hatte, machten wir uns zeitnah auf die Suche nach einem neuen Mitbewohner. Die Suche gestaltete sich recht schwierig, denn die Trauer um Mohrchen setzte mir schon ziemlich zu.

Nach einigen unerfreulichen Besuchen in Tierheimen entschieden wir uns doch zum Kauf einer Rassekatze, ein Norweger sollte es sein. Die Rasse „reizte“ mich schon länger und so suchten wir ein wenig im Web. Wir fanden eine kleine, familiäre Hobbyzucht in Siegen, 143km von uns entfernt.

Hier hatten gerade vier Babies das Licht der Welt erblickt, zwei Mädels und zwei Jungen. Zunächst haben wir uns telefonisch nach den Babies erkundigt, um in Erfahrung zu bringen, ob diese überhaupt noch zu haben sind. Vergeben war noch keines der Kitten, eine Zusage bekamen wir telefonisch jedoch nicht, denn die Familie machte grundsätzlich keine Zusagen ohne ein persönliches Kennenlernen. Ich für meinen Teil fand das trotz der 143km Entfernung einfach toll.

Wir stimmten also einen kurzfristigen Termin ab und machten uns wenige Tage später auf den Weg nach Siegen, um dort um das Pfötchen eines Katzenbabies anzuhalten. So lernten wir dann Norweger-Papa „Gustaf“, Norweger-Mama „Ombra“ und ihre vier Kinder Lasse, Fritz (später Rasmus), Margarete und Frida kennen. 

Nach unserem Besuch bei den Kosiols waren zwei Dinge klar. Erstens, wir wollen ein Norweger-Kätzchen und zweitens, wir bekommen ein Norweger-Kätzchen.

Nur welches der Kätzchen wir bekommen würden, das stand noch nicht fest. Ich wollte unbedingt einen der beiden Jungen haben, soviel war klar. Aber es gab einen Interessenten, der schneller war als wir, ebenfalls einen Jungen wollte und noch nicht gewählt hatte. Also mussten wir nun abwarten, welcher der zwei Jungs für uns „übrig bleibt“.

Meine spontane Wahl wäre auf Lasse gefallen, weil einfach eine gewisse Ähnlichkeit zu meinem Mohrchen vorhanden war. Der andere Interessent entschied sich jedoch genauso und so freuten wir uns nun auf unseren „Fritz“, für den wir ab sofort auf Namenssuche gingen.

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In den nachfolgenden Wochen wurde die Website der Familie Kosiol wohl so oft wie noch nie aufgerufen. Wir gierten förmlich nach jedem neuen Foto von der Rasselbande, auf dem wir unseren ersehnten Katzennachwuchs sehen und seine Fortschritte beobachten konnten. Die Zeit verging einfach nicht und die neuen Fotos wurden nie genug.

Während wir stundenlang über den verrücktesten Katzennamen brüteten und uns schlussendlich für den Namen „Rasmus“ entschieden, waren die Wochen dann doch irgendwie ins Land gegangen und wir konnten endlich wieder nach Siegen fahren, um die kleine Schatznase abzuholen.

Wir waren erstaunt und begeistert zugleich, wie sehr sich der Kleine entwickelt hatte. Während er beim ersten Besuch noch ziemlich einfarbig dunkelgrau schien, zeichnete sich nun bereits dieser herrliche Smoke-Effekt ab. Wir waren alle einfach nur entzückt und stolz auf unseren vierbeinigen Familienzuwachs.

Naja, fast alle. Während Rasmus ganz frisch aus einem Haus voller Katzen und Hunde kam und unseren Elvis freudestrahlend begrüßte, so unter dem Motto: „Oooh! Eine Miezekatze. Ist das meine?“ war Elvis nun fast 2,5 Monate Einzelkatze und fand den kleinen Eindringling zunächst mal zum Knurren und Fauchen. Seine Begrüßung klang eher wie: „Geeeh weg, du kleine Dreckschratze! Du wohnst hier nicht.“ Seine beeindruckend tiefe Stimme verlieh dem Ganzen den nötigen Nachdruck.

Grund zur Sorge gab es allerdings nicht wirklich. Es war völlig normal, dass Elvis nach dem Verlust seines Gefährten und der relativ langen Zeit als Einzelkatze zunächst mal sein Revier verteidigt. Er war immerhin auch schon 10 Jahre alt. Nach 3-4 Tagen war bereits alles in Butter und wir konnten die Zwei gemeinsam durch die Wohnung trollen lassen.

Die Nächte verbrachte der Kleine zur Sicherheit noch einige Wochen im Schlafzimmer neben meinem Bett. Wobei, neben meinem Bett hielt er sich nur eine gewisse Zeit auf. Sobald das Licht aus war und seine Menschen zu schlafen versuchten, sortierte er viel lieber das Strickzeug in den Unterbettkommoden oder probierte aus, wieviele der vorhandenen fünf Böden unseres Regals er zu erklimmen schaffte. Seine nächtlichen Aktivitäten schloss er meist mit einer ausgedehnten Mahlzeit ab, welche selbstverständlich von lautem Schnurren begleitet wurde.

Wie jedes Katzenkind brachte auch Rasmus seine ganz speziellen Eigenheiten mit. So ist er z.B. meine erste Katze, die mit Bravour Kabel durchbeißt. Alles was Schwachstrom führt, ist vor Rasmus nicht sicher. Ich weiß nicht, wie viele Ladekabel wir schon für Handys und Gameboys gekauft haben, wenige waren es nicht.

Auch hatte ich vor ihm noch keine Katze, die unsere getragenen Socken oder die Gürtel der Bademäntel klaut und im Maul unter das Bett trägt.  Überhaupt trug er – als er kleiner war – alles gern im Maul durch die Wohnung. Sei es sein Spielzeug oder eine große Wolldecke, die er sage und schreibe durch vier (!) Räume hinter sich her zottelte. Wir fragten uns oft, ist das nun typisch Rasmus, typisch Norweger oder hat unser Bärchen zu viel Zeit mit den Bearded-Collies der Familie Kosiol verbracht?  Wir wissen es nicht.

Fakt ist, seit Rasmus bei uns wohnt, liegen unsere Kabel im Marderschutzschläuchen und unsere Türknäufe sind anders als bei anderen Leuten nicht auf der Außenseite der Tür, sondern von Innen angebracht. Türen öffnen gehört nämlich – leider – zu einer seiner leichtesten Übungen.

Bevor wir uns versehen hatten, war aus unserem kleinen Rasselbärchen ein großer, prächtiger Norweger-Kater geworden. Da wir weder züchten, noch unseren Buben als Deckkater ausleihen wollten, ließen wir ihn mit ca. zehn Monaten kastrieren.

Rasmus ist ein sehr anhänglicher, menschbezogener Kater. Er liegt zwar nur selten auf dem Schoß, dafür aber um so lieber dicht neben mir auf dem Schreibtisch. Er holt sich gern – von ihm selbst dosiert – seine Streicheleinheiten ab und schnurrt dabei was das Zeug hält.

Ständigt betuddelt werden mag Rasmus nicht.  Nervt man ihn, neigt er dazu sich zurückzuziehen. Aaaber, seine Menschen sollten möglichst immer in der Nähe sein! Eine geschlossene Zimmertür zwischen ihm und seinen Zweibeinern kann er überhaupt nicht leiden. Entweder macht er diese dann mit einem gezielten Sprung auf die Türklinke auf oder wenn das nicht klappt – weil die gemeinen Zweibeiner die Klinke gegen einen Knauf getauscht haben – beginnt er einen herzzerreißenden Klagegesang, der einem so richtig auf den Wecker gehen kann.

Neben dem Kontakt zur Familie ist ihm allerdings auch der Kontakt zu Artgenossen sehr wichtig. Das machte sich besonders stark bemerkbar, als sein Kumpel „Elvis“ vor zwei Jahren starb und er für einige Zeit Einzelkatze war. Dass er Elvis schrecklich vermisste war ebenso wenig zu übersehen wie die Tatsache, dass ihm sein neuer Gefährte „Percy“  in Windeseile ans Herz gewachsen war. Ich glaube hier sprechen die nachfolgenden Bilder für sich.

Das Einzige, das mich an unserem Rasselbär ein klein wenig wurmt, ist die Tatsache, dass er sich ausschließlich von Trockenfutter ernähren mag. Dies war er von seinem „früheren zu Hause“ so gewöhnt. Alle Bemühungen ihn von Nassfutter zu überzeugen, schlugen  leider fehl.  Selbst sein geliebtes Carny Ocean von Animonda frisst er nur mit spitzen Zähnchen und maximal 10 Gramm.

Auch das war eine Premiere für mich, denn bislang habe ich all meine Katzen mit Nassfutter gefüttert und Trockenfutter gab es nur als Leckerchen. Aber wie pflegt man hier im Rheinland so schön zu sagen: „Jede Jeck es anders!“ Und unser Rassel ist ein Kauz. Aber während ich mir diesbezüglich so meine Sorgen um seine Gesundheit mache, hat Rasmus auch mit knapp 10 Jahren noch eine Top-Figur und Mega-Blutwerte, während drei meiner Nassfutterfresser in diesem Alter schon mit Nierenproblemen und anderen Gebrechen zu kämpfen hatten. Das beruhigt mich dann wieder ein wenig.